Niedrigzinsen: Definition und ihre Bedeutung

Niedrigzinsen

Seit der globalen Finanzkrise 2008 ging die Zinsentwicklung weltweit rapide abwärts. Die internationalen Notenbanken versuchten die Krise aufzufangen und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Dazu senkten sie den Leitzins, der in Europa im März 2016 seinen Tiefpunkt erreichte – Niedrigzinsen, ja sogar Negativzinsen beherrschten für die kommenden Jahre die Geldpolitik.

Autor: Thomas Rutkowski

Lesezeit: 6 Min.

02. August 2023

2022 sorgte die drastische Inflation aufgrund der weltpolitischen Lage und den Auswirkungen der Corona-Pandemie für eine Umkehr der Zinsentwicklung – seitdem steigt der Leitzins wieder. Dennoch müssen Sparerinnen und Sparer wissen, wie sie in Zeiten einer Niedrigzinspolitik agieren müssen, um ihre Ersparnisse zu schützen und ihr Vermögen trotzdem zu vermehren.

Wir erläutern, was Niedrigzinsen eigentlich sind, wofür die Geldpolitik sie nutzt und wie sie sich auf die Wirtschaft und auf Sparer und Anleger auswirken.

Definition: Was sind Niedrigzinsen?

Im Allgemeinen bezieht sich der Begriff Niedrigzinsen auf das volkswirtschaftliche Zinsniveau bzw. die Leitzinsen. Das Zinsniveau wird von den Zentralbanken festgelegt, im Europa der Euroländer von der Europäischen Zentralbank (EZB). Am Leitzins orientieren sich die Kredit- und Anlagezinsen der Wirtschaft und die Konditionen, die Banken ihren Kunden bieten. Werden kaum oder gar keine Zinsen mehr gezahlt, spricht man von einer Niedrigzinsphase.

Wie entstehen Niedrigzinsen?

Mithilfe des Leitzinses werden Volkswirtschaften hauptsächlich geldpolitisch gesteuert. Konkret bedeutet das, dass die Höhe der Menge des Geldes bestimmt wird, die sich im Umlauf befindet. Das wiederum wirkt sich auf die Inflationsrate aus. Banken leihen sich bei den Zentralbanken, also z. B. der EZB, Geld, um sich zu refinanzieren. Daher wird der Leitzins auch als Hauptrefinanzierungssatz bezeichnet. Befindet sich dieser auf einem niedrigen Niveau, haben Banken geringere Kosten für die Liquiditätsbeschaffung. Das geben die Bankhäuser an ihre Kunden weiter, weshalb diese dank eines geringen Sollzinssatzes für die Finanzierung von Projekten und Produkten weniger zahlen müssen. Das kurbelt die Wirtschaft an.

Die globale Finanzkrise im Jahr 2008 hat dazu geführt, dass die Leitzinsen weltweit drastisch gesenkt wurden. Ab März 2016 stand der Leitzins der EZB auf null. Der Wirtschaft in Europa brachten die Senkungen der Zinsen seit 2008 allerdings kaum Fortschritte. Ein Blick in die Statistik zeigt, welches Auf und Ab der Zinssatz der EZB für das Hauptfinanzierungsgeschäft von 1999 bis 2023 durchlaufen hat.

Aufgrund der weltpolitischen Lage und der explodierenden Inflationsrate steigen die Leitzinsen seit 2022 wieder an. Der EZB-Leitzins liegt aktuell (Stand: 27. Juli 2023) bei 4,25 Prozent. Diesen Wert erreichte der Leitzins letztmalig Anfang Oktober 2008 – zu Beginn der globalen Finanzkrise.

Welche Auswirkungen hat ein niedriges Zinsniveau?

Niedrigzinsen sollen die Wirtschaft ankurbeln, in Europa blieben Fortschritte durch erfolgreiche Investitionen aber größtenteils aus. Die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik bekommen am ehesten die Sparerinnen und Sparer zu spüren. Denn die Niedrigzinsen haben Einfluss auf den Anlagezinssatz, weshalb sie in Niedrigzinsphasen keine Zinsen mehr auf ihre Geldanlage wie z. B. Tages- oder Festgeld erhalten. Mitunter wurden in der Vergangenheit sogar Negativzinsen für angelegtes Geld fällig.

Niedrigzinsphasen animieren Privatpersonen dazu, Kredite aufzunehmen, um z. B. eine Immobilie zu finanzieren. Die günstigen Konditionen in Zeiten von Niedrigzinsen senken die Hemmschwelle, Kredite aufzunehmen und sich zu verschulden. Auch auf das Anlageverhalten wirken sich Niedrigzinsen aus. Um gute Renditen zu erzielen, müssen Anlegerinnen und Anleger höhere Risiken eingehen, da mit sicheren Geldanlagen keine Zinsen mehr erwirtschaftet werden können.

Auch der Zinseszinseffekt leidet unter der Niedrigzinspolitik. Bei Nullzinsen ist ein Zinseszinseffekt nicht möglich, und bei Niedrigzinsen dauert es umso länger, bis ein spürbarer Erfolg sichtbar wird.

Investieren trotz niedriger Zinsen: Was ist zu empfehlen?

In Zeiten von Niedrigzinsen lohnen sich sichere Anlagen wie Tages- und Festgeld nicht, da keine Zinsen gezahlt werden. Selbst bei gestiegenen Zinssätzen rechnet sich diese Form der Geldanlage unter Umständen nicht, weil vom Zinssatz die Inflationsrate abgezogen werden muss. Bei einer hohen Preissteigerung liegt der Realzins bei sicheren Geldanlagen dann oftmals trotzdem im negativen Bereich.

Anlegerinnen und Anleger sollten in Niedrigzinsphasen daher alternative Formen der Geldanlage wählen, z.B. Aktien, Rohstoffe und digitale Anlagemöglichkeiten. Kostengünstige Anlageprodukte auf diese Instrumente, wie börsengehandelte Indexfonds (ETFs),  punkten häufig mit sehr guten Renditen.

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Welche alternativen Anlagemöglichkeiten sich am besten eignen, hängt vom Anleger, dem Anlageziel und -horizont und der Risikobereitschaft ab. Unter einer hohen Inflation leiden alle Anlagemöglichkeiten. Um zu wissen, wie hoch der inflationsbereinigte Zinssatz einer Geldanlage ist, müssen Investoren von ihrem Zinssatz die Inflationsrate abziehen. Bei vielen Anlegern dürfte sich der Realzins bei einer Rekordinflation in jüngster Vergangenheit von über 10 Prozent im Minusbereich bewegen. Es ist daher wichtig, dass Anlegerinnen und Anleger auf eine breite Streuung bei ihrer Geldanlage achten.

Hier finden Sie weitere Tipps zum Vermögensaufbau.

Fazit

Obwohl die langjährige Niedrigzinsphase 2022 ein jähes Ende gefunden hat und der Leitzins in vielen Ländern drastisch gestiegen ist, wird die nächste Niedrigzinsphase irgendwann kommen. Bleibt die Inflationsrate dennoch relativ hoch, müssen Sparerinnen und Sparer ein besonderes Augenmerk darauf legen, dass ihr Vermögen nicht real an Wert verliert und ihre Ersparnisse nicht verbrannt werden.

Alternative Formen der Geldanlage versprechen gute Renditechancen. Zwar sind sie mit einem höheren Risiko verbunden als klassische, sichere Anlageformen, aber im Rahmen einer Niedrigzinspolitik sind sie quasi die einzige Option.

Spezialtipp: Auf die Streuung achten

Eine breite Streuung ist beim Investieren immer wichtig. Deutschland ist bekanntermaßen eher ein Land der Sparer – viele Menschen setzen noch immer lieber auf klassische Anlageformen wie Sparbuch und Festgeld. Bei Niedrigzinsen sollten sie aber auf eine breite Streuung in der Vermögensanlage achten.

Zusätzlich zu klassischen Formen sollten sie daher auch Anlageklassen wie Aktien, ETFs oder Rohstoffe berücksichtigen und ihre Strategie zum Vermögensaufbau einfließen lassen. Verteilen Anleger ihr Vermögen auf unterschiedliche Anlageklassen oder Länder, Branchen usw., profitieren Sie im besten Fall von besonders positiven Entwicklungen von Unternehmen. Das wiederum treibt die Rendite nach oben.

Es ist daher ratsam, sich in Zeiten von Niedrigzinsen als Sparer nicht auf die klassischen Anlageformen zu fokussieren, da sich die Ersparnisse damit nicht vermehren. Schlimmer noch: Ist die Inflation hoch, nehmen sie kaufkraftbezogen sogar ab.

Worauf Sie beim Geld anlegen während einer hohen Inflation achten müssen, erklären wir hier.

5 FAQ zu Niedrigzinsen

Die Zentralbanken wollen Unternehmen mit einer Niedrigzinspolitik zu Investitionen animieren. Sind die Zinsen niedrig, neigt man dazu, eher Kredite aufzunehmen – das gilt für Privatpersonen ebenso wie für Unternehmen. Investitionen führen wiederum dazu, dass die Wirtschaft wächst, da mehr Dienstleistungen und Güter abgerufen und produziert werden.

Kurz gesagt wollen Notenbanken mit Niedrigzinsen die Wirtschaft ankurbeln.

Meistens wird eine Geldpolitik der Niedrigzinsen global umgesetzt. Zwischen 2008 und 2022 haben zahlreiche internationale Notenbanken ihre Leitzinsen drastisch gesenkt; zwischen 2016 und 2022 lag der Leitzins in vielen Ländern bei 0 Prozent.

Sparer versuchen die fehlenden Zinseinnahmen durch höhere Sparquoten auszugleichen. Ein noch größerer Teil des Einkommens wird also angespart und nicht für den Konsum verwendet.

Seit 2022 ist die langjährige Niedrigzinsphase beendet. Die weltpolitische Lage und die Auswirkungen der Corona-Pandemie führten zu einer drastischen Erhöhung der Inflation und damit im Juli 2022 zur ersten Anhebung des Leitzinses durch die EZB. Seitdem folgten neun Erhöhungen durch die Europäische Zentralbank. Ende Juli 2023 lag der Leitzins bei 4,25 Prozent.

Noch ist die EZB weit entfernt vom Ziel, die Inflation auf 2 Prozent zu senken. Prognosen gehen davon aus, dass die Inflation in 2023 noch bei 5,4 Prozent liegen und erst 2025 auf 2,2 Prozent sinken wird. Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde rechnet daher noch nicht mit einer Pause der Anhebung des Leitzinses.

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