Mehr Chips, mehr Rechenzentren, mehr Fragezeichen Der größte Belastungsfaktor im Monatsverlauf war der anhaltende Anstieg der Renditen von Staatsanleihen. Als wachstumsorientierte Strategie wurden unsere Portfolios weiterhin durch die höheren vom Markt angesetzten Diskontierungszinssätze belastet, die die Bewertungsmultiplikatoren in weiten Teilen des Wachstumssegments unter Druck setzten. Aus fundamentaler Sicht blieb Künstliche Intelligenz das dominierende Thema an den Kapitalmärkten. Dabei bestätigten zahlreiche Unternehmensmeldungen unsere Einschätzung, dass der Ausbau der notwendigen Infrastruktur weiterhin mit hoher Geschwindigkeit voranschreitet. Microsoft plant, seine Rechenzentrumskapazitäten bis 2032 zu verdreifachen, während Lenovo bei KI-Servern im laufenden Jahr ein Wachstum von mehr als 100 % verzeichnet und für das kommende Jahr sogar eine weitere Beschleunigung erwartet. Die Mietpreise für GPUs stiegen im September weiter, während selbst ältere Nvidia-V100-Chips bei AWS –inzwischen rund neun Jahre nach ihrer Markteinführung –weiterhin kommerziell eingesetzt werden. Auch auf Unternehmensseite gab es weitere Bestätigungen für diesen Trend. Snowflake überzeugte mit starken Wachstumszahlen und einer angehobenen Prognose, wobei KI Anwendungen zunehmend ein wesentlicher Nachfragefaktor werden. Broadcom hob seine längerfristigen Erwartungen deutlich an, während TSMC im Monatsvergleich erneut eine Beschleunigung des Wachstums zeigte. Zum Monatsende bestätigte zudem Micron unsere positive Einschätzung des Speichermarktes. Das Unternehmen erwartet, dass sich die Knappheit im kommenden Jahr sogar noch verschärfen dürfte. Gleichzeitig erhöhte eine große Investmentbank ihre langfristigen Erwartungen für die Investitionen in Speicherproduktion und geht inzwischen nicht mehr von einem klassischen Rückgang des Investitionszyklus ab 2028 aus. Allerdings zeigte der Monat auch zunehmend die andere Seite des KI-Booms. Die erwarteten Investitionssummen steigen weiterhin erheblich. Die Schätzungen für die weltweiten KI Investitionen bis 2030 wurden im Laufe des Quartals nochmals deutlich angehoben. Gleichzeitig bleibt der Kapitalbedarf der führenden Modellanbieter enorm. OpenAI erwartet für die Jahre 2026 bis 2030 einen erheblichen kumulierten Finanzierungsbedarf. Während sich die Umsatzdynamik bei OpenAI zuletzt wieder beschleunigte, deuteten die Angaben von Anthropic auf eine Normalisierung der zuvor außergewöhnlich hohen Wachstumsraten hin. Damit dürfte neben dem technologischen Fortschritt zunehmend die Frage in den Vordergrund rücken, wer die hohen Investitionen langfristig finanzieren und monetarisieren kann. Parallel dazu nahm die politische und gesellschaftliche Diskussion über eine stärkere Regulierung von KI weiter zu. Wir sehen das ganze eher so: die großen KI-Modelle schreien (nicht ganz uneigennützig) nach mehr Regulierung –um ihren Wettbewerbsvorteil zu konservieren. Während in den USA Stimmen nach stärkeren Beschränkungen lauter wurden, steht dem weiterhin das strategische Ziel gegenüber, im technologischen Wettbewerb mit China nicht an Geschwindigkeit zu verlieren. Auch außerhalb des klassischen KI-Sektors zeigten sich strukturelle Veränderungen. In der europäischen Automobilindustrie gewinnen chinesische Hersteller weiter Marktanteile, zuletzt auch zulasten japanischer und koreanischer Wettbewerber. China selbst hat seine langfristigen Ziele für die Elektrifizierung nochmals konkretisiert und strebt innerhalb seines Fünfjahresplans einen sehr hohen Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge sowohl bei Pkw als auch bei Nutzfahrzeugen an. Im Konsumsektor blieb dagegen die Stimmung insbesondere China herausfordernd. Im Luxussegment zeigte sich Schmuck weiterhin robuster als Handtaschen, insgesamt wurden die Erwartungen für das Asiengeschäft jedoch zurückgenommen. Costco zeigte eine robuste operative Entwicklung. Das Unternehmen profitierte weiterhin von steigenden Mitgliederzahlen und einer stabilen Entwicklung der Mitgliedsbeiträge. Folglich haben wir Costco neu für das Global-Equities-Portfolio erworben. Insgesamt bestätigte der September damit viele unserer strukturellen Investmentthesen. Die Investitionen in KI-Infrastruktur bleiben außergewöhnlich hoch und verbreitern sich zunehmend über Halbleiter, Speicher, Rechenzentren und Software. Gleichzeitig steigen jedoch Kapitalbedarf, regulatorische Risiken und die Unterschiede zwischen den Gewinnern und Verlierern dieser Entwicklung. Gerade in diesem Umfeld halten wir eine selektive Titelauswahl für entscheidend.