Die Rolle der Aktienallokation

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Globale Aktien sind in der institutionellen Kapitalanlage seit Jahrzehnten fest verankert. Kaum ein Investor stellt infrage, dass Aktien langfristig einen unverzichtbaren Beitrag zum realen Kapitalerhalt und zur Erreichung langfristiger Zielrenditen leisten. 
 

Autor: Mike Bischler

Lesezeit: 6 Min.

09. Februar 2026

Und dennoch zeigt sich in der Praxis oftmals ein strukturelles Defizit:

„Viele institutionelle Investoren allokieren Aktien – aber nur wenige definieren explizit, welche Funktion diese Allokation im Gesamtportfolio erfüllen soll.“


Diese Unschärfe ist keineswegs nur semantisch. Sie prägt die Asset Allocation, Risikobudgets, Mandatsgestaltung und Erfolgsmessung – und damit, ob die angestrebten Zielrenditen langfristig überhaupt erreichbar sind. 
 

Die zentrale Frage bleibt häufig unbeantwortet


Mit der Festlegung einer strategischen Aktienquote ist entschieden, welcher Teil der Zielrenditen aus Aktien erwirtschaftet werden soll. Damit ist zugleich festgelegt, wie viel Marktrisiko das Gesamtportfolio trägt – unabhängig davon, wie eng oder weit ein einzelnes Mandat an seiner Benchmark geführt wird. 

In der Praxis sollen Aktienmandate häufig zwei Funktionen zugleich erfüllen: das langfristige Ertragspotenzial der Aktienmärkte zu erschließen und einen zusätzlichen Wertbeitrag gegenüber der Benchmark zu liefern. Gleichzeitig werden sie jedoch häufig über relativ enge Steuerungsgrößen geführt. Dadurch entsteht eine strukturelle Ineffizienz: 


Das volle Aktienmarktrisiko wird getragen, der Spielraum, dieses Risiko in Mehrertrag zu übersetzen, wird jedoch begrenzt. Die Benchmark wird zur dominierenden Steuerungsreferenz, obwohl sie nicht abbildet, wie effizient das getragene Aktienmarktrisiko in ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis übersetzt wird. 


In einem solchen Set-up sind phasenweise gute relative Ergebnisse möglich. Die Wahrscheinlichkeit, aus dem übernommenen Aktienrisiko außergewöhnliche Wertbeiträge zu erzielen, bleibt jedoch strukturell begrenzt – weil genau jene Freiheitsgrade eingeschränkt werden, aus denen langfristig überdurchschnittliche Renditen entstehen.  
 

Zwei Allokationslogiken – zwei unterschiedliche Arten, Aktienrisiko zu nutzen


1. Aktien als residuale Risikoposition  

In einer verbreiteten Allokationslogik werden Aktien in erster Linie als der Teil der Kapitalanlage verstanden, der die verbleibende Risikotragfähigkeit absorbiert, nachdem Verpflichtungen, Liquidität und Stabilitätsanforderungen definiert sind. Defensive Assetklassen strukturieren den Rahmen, Aktien füllen den Rest. 

In dieser Logik wird die Aktienquote zwar als Ertragsquelle gesehen, operativ jedoch primär über relative Maßstäbe gesteuert: Benchmarknähe, Tracking-Error-Grenzen und kurzfristige Vergleichbarkeit prägen die Umsetzung. Volatilität wird weniger als notwendiger Bestandteil von Wertschöpfung betrachtet, sondern als etwas, das möglichst begrenzt werden soll.
Das Ergebnis ist eine Aktienallokation, die Marktrisiko trägt, deren Freiheitsgrade zur aktiven Nutzung dieses Risikos jedoch eingeschränkt sind. 

2. Aktien als gezielter Renditebaustein  

In einer ertragsorientierten Allokationslogik werden Zielrenditen explizit formuliert und anschließend analysiert, welche Anlageklassen diese strukturell tragen können. Aktien werden dabei als primärer Wertschöpfungsbaustein verstanden, während defensive Allokationen Stabilität, Liquidität und Drawdown-Kontrolle übernehmen.

In diesem Rahmen wird Volatilität nicht vermieden, sondern bewusst eingeplant. Sie ist kein Selbstzweck, sondern die unvermeidliche Begleiterscheinung einer Allokation, die darauf ausgelegt ist, über Marktzyklen hinweg reale Mehrerträge zu erzielen. 

Zeit – der unterschätzte Steuerungsparameter der Aktienallokation 


Institutionelle Investoren verfügen oftmals über sehr lange Anlagehorizonte. In der operativen Steuerung werden diese jedoch häufig nicht ausgeschöpft. Gründe dafür sind unter anderem:
 

  • Reporting- und Bewertungstakte, die häufig durch zufällige Kalenderstichtage bestimmt sind
  • jährliche Performancevergleiche, die kurzfristige Ergebnisvolatilität überbetonen
  • eine primär relative Steuerungslogik, bei der Abweichungen von der Benchmark wichtiger werden als der absolute Wertbeitrag über den Zeitverlauf


Diese Mechanismen verkürzen den effektiven Risikohorizont der Aktienallokation erheblich. Dabei ist Zeit der wichtigste Verbündete von Aktieninvestoren. Wird sie governance-seitig nicht genutzt, werden genau jene Allokationen strukturell geschwächt, die langfristig den höchsten Wertbeitrag liefern könnten.
Eine Kapitalanlage, die langfristige Zielrenditen verfolgt, diese jedoch primär kurzfristig und relativ misst, zwingt ihre Aktienallokation faktisch in eine defensive Rolle.

 

Wie Aktienrisiko im Portfolio gezielter genutzt werden kann

Entscheidend ist dabei weniger die absolute Höhe der Aktienquote als die Frage, wie effizient das damit übernommene Aktienmarktrisiko im Portfolio genutzt wird. Eine stark relativ geführte Umsetzung kann die Vergleichbarkeit erhöhen – begrenzt jedoch tendenziell jene Freiheitsgrade, über die zusätzlicher Wertbeitrag entstehen kann. 


Wo Mehrertrag angestrebt wird, wird damit nicht „mehr Risiko“ gesucht, sondern eine andere Nutzung desselben Aktienrisikos: Abweichung wird bewusst zugelassen und über geeignete Zeithorizonte beurteilt. 


Auf Gesamtportfolioebene eröffnet dies einen Gestaltungsspielraum: Zielrenditen können entweder über größere, stärker benchmarkorientierte Aktienbausteine verfolgt werden – oder über gezielt eingesetzte, stärker differenzierte Bausteine, sofern deren Rolle, Risikobudget und Governance tragfähig definiert sind.


Warum klare Rollen Effizienz und Governance-Qualität erhöhen


Ob Aktien als Renditeanker oder als residuale Risikoposition eingesetzt werden, ist keine taktische, sondern eine strukturelle Entscheidung. Sie bestimmt: 
 

  • das Mandatsdesign und die Freiheitsgrade
  • die Definition und Nutzung aktiver Risikobudgets
  • die Erfolgsmessung über sinnvolle Zeiträume 


Ein klares Rollenverständnis erhöht nicht nur die Effizienz der Kapitalanlage, sondern vereinfacht auch die Governance. Wenn defensive Bausteine für Stabilität verantwortlich sind, kann die Aktienallokation konsequent auf Wertschöpfung ausgerichtet werden – ohne permanente Zielkonflikte. 

 

Zusammenfassung und Implikationen

Globale Aktien sind kein neutraler Baustein der Asset Allocation. Sie sind der zentrale Träger des Aktienrisikos – und damit zumeist auch des langfristigen Ertragspotenzials.
Institutionelle Investoren, die dieses Risiko tragen, es jedoch primär über relative Maßstäbe steuern, begrenzen systematisch die Wahrscheinlichkeit, daraus nachhaltig außerordentliche Wertbeiträge zu erzielen.
Dort hingegen, wo die Rolle der Aktienallokation bewusst definiert, aktives Risiko explizit verortet und über angemessene Zeiträume getragen wird, entstehen strategische Klarheit, belastbare Governance – und die Voraussetzung für nachhaltigen realen Mehrertrag.

Über den Autor

Mike Bischler ist Teil des Institutional-Clients-Teams der LAIQON Gruppe und arbeitet mit institutionellen Anlegern sowie Investment Consultants zusammen. Sein Profil verbindet Erfahrung aus Investment Research, Portfoliomanagement und institutioneller Kundenbetreuung. Die aus unterschiedlichen Blickwinkeln gewonnene Erfahrung ermöglicht ihm eine differenzierte Sicht auf Investmentstrategien und den Umgang mit komplexen Anforderungen in der institutionellen Kapitalanlage.

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Stand: Okt. 2025/ Dok.A1


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