Nachhaltige Geldanlage – Rendite & Nachhaltigkeit

Die vergangenen Jahre haben uns mehr als deutlich vor Augen geführt, wie wichtig Nachhaltigkeit ist. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Klima, Umwelt, Soziales, gute Arbeitsbedingungen und Diversität sind Themen, für die es sich einzusetzen gilt.

Immer mehr Menschen setzen das nicht nur in Bezug auf Konsumgüter, sondern auch bei Anlageprodukten um. Die Nachfrage nach einer nachhaltigen Geldanlage und damit nach ESG-Strategien und -Indizes steigt rasant.

Was ist eine nachhaltige Geldanlage?

Anlegerinnen und Anleger, die auf eine nachhaltige Geldanlage setzen, möchten ihr Geld sinnvoll und ethisch investieren. Sie möchten etwas bewirken, anstatt wahllos konventionelle Anlageprodukte zusammenzustellen. Dabei hinterfragen sie sehr genau, welche Unternehmen sie mit ihrem Kapital unterstützen.

So können zum Beispiel Hersteller von fossilen Brennstoffen, Tabak und Waffen tabu sein, ebenso Unternehmen, die Kinderarbeit oder Umweltzerstörung unterstützen. Immer mehr Investorinnen und Investoren legen ihr Kapital unter ökologischen, ethischen und sozialen Aspekten an und suchen Aktien, börsengehandelte Indexfonds (ETFs) und andere Finanzprodukte gezielt danach aus.

Die Gesamtsumme entsprechender Investments betrug zum 31. Dezember 2021 501,4 Mrd. Euro, wie das Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) in seinem Marktbericht angibt. 246 Mrd. Euro sind davon in Publikumsfonds angelegt – 2020 waren es noch 107 Mrd. Euro. Das in diese nachhaltigen Fonds investierte Kapital macht damit nicht nur den größten Teil der Gesamtsumme aus und lässt Spezialfonds und Mandate hinter sich; es nahm in einem Jahr auch um 139 Mrd. Euro zu. Der Sprung von 2019 zu 2020 lag „nur“ bei 43,8 Mrd. Euro. Es zeigt sich ein eindeutiger Trend in Richtung Nachhaltigkeit.

Welche Nachhaltigkeitsmerkmale gibt es?

Nachhaltige Anlageprodukte berücksichtigen, was gegenwärtig notwendig ist, achten aber auch auf zukünftige Bedürfnisse. Sie zeichnen sich durch verschiedene Merkmale aus. Viele Fondsanbieter deklarieren ihre Produkte als ESG-konform.

Hinter den drei magischen Buchstaben „ESG“ verbergen sich drei wichtige Bereiche, in denen nachhaltig gedacht und gehandelt werden muss: Environmental, Social and Governance, zu deutsch Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Wenn ein Unternehmen die ESG-Kriterien erfüllen will, werden unterschiedliche Punkte überprüft.

Dazu zählen unter anderem:

  • Umwelt- und Klimaschutz
  • Einsatz erneuerbarer Energien
  • Geringe Müllproduktion
  • Einhalten von Menschenrechten
  • Faire Arbeitsbedingungen
  • Chancengleichheit und Diversität
  • Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit
  • Innovationskraft
  • Eine ethisch vertretbare Unternehmensführung
  • Verhinderung von Korruption

Jedes Unternehmen, jeder Fondsanbieter, jeder Index definiert dabei allerdings ganz eigene Richtlinien und verwendet unterschiedliche Prinzipien. Denn einheitliche, festgelegte Regeln, was Nachhaltigkeit ist und woran sie gemessen wird, gibt es aktuell noch nicht.

Richtlinien und gesetzliche Vorgaben für nachhaltige Geldanlagen

Für Anleger ist es schwer, zu erkennen, ob sich hinter ihren gewählten nachhaltigen Finanzprodukten auch wirklich Nachhaltigkeit verbirgt. Weder ist der Begriff „nachhaltig“ geschützt, noch gibt es definierte Mindeststandards. Das bedeutet, dass jeder Fondsanbieter unterschiedliche Interpretationen ansetzen kann, wenn er seine Fonds als „nachhaltig“, „grün“ oder „sustainable“ bezeichnet oder sie mit dem Zusatz „ESG“, „SRI“ (socially responsible investment) oder „Klima“ versieht.

Hinzu kommt, dass es viele verschiedene Anlageformen gibt, die Investorinnen und Investoren miteinander vergleichen müssen, um eine Auswahl der Fonds zu treffen, die ihrer eigenen Interpretation von Nachhaltigkeit nahekommt. Auch Ratingagenturen setzen verschiedene Kriterien an bzw. lassen diese in unterschiedlicher Ausprägung in ihre Bewertung einfließen. All das erschwert es Anlegern, fundierte Entscheidungen zu treffen, was ihre nachhaltigen Finanzprodukte betrifft.

Um hier Abhilfe zu schaffen, präsentierte die Europäische Kommission im März 2018 den „Aktionsplan zur Finanzierung von nachhaltigem Wachstum“. Als Teil dieses Plans trat im März 2021 die Verordnung der EU über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor, die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR), in Kraft. Fondsanbieter müssen unter anderem offenlegen, wie sie mit Nachhaltigkeitsrisiken umgehen und müssen ihre Fonds in bestimmte Kategorien einordnen. Dazu hat die SFDR drei Produktkategorien definiert:

Anlageprodukte gemäß Artikel 6

Diese hier gelisteten Produkte berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien in ihren Entscheidungsprozessen oder aber erläutern, warum ESG-Risiken irrelevant sind. Mit „Nachhaltigkeit“, „ESG“ oder anderen Bezeichnungen, die auf Nachhaltigkeit abzielen, dürfen sie nicht beworben werden.

Anlageprodukte gemäß Artikel 8

Die Fonds unterstützen ESG-Werte und investieren ggf. in nachhaltige Anlagen; Nachhaltigkeit ist aber nicht ihr Hauptziel.

Anlageprodukte gemäß Artikel 9

Das Anlageziel dieser Produkte ist Nachhaltigkeit. Die hier klassifizierten Fonds gelten als die nachhaltigsten.

Im Januar 2022 traten zudem die ersten Anforderungen der Taxonomie-Verordnung in Kraft. Diese legen die Kriterien für ökologische Nachhaltigkeit von wirtschaftlichen Aktivitäten fest. Aktuell gibt es die Nachhaltigkeitskriterien nur für Umweltziele, in den kommenden Jahren sollen im Rahmen des EU-Aktionsplans Kriterien für andere Nachhaltigkeitsziele definiert werden.

Anlageansätze bei nachhaltiger Geldanlage

Bei nachhaltigen Anlageprodukten setzen Fondsanbieter verschiedene Strategien an, die mitunter auch kombiniert werden. In einem Gespräch erläutert Ihnen Ihr Anlageberater, welcher Ansatz konkret verfolgt wird. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen definiert verschiedene Anlagestrategien, darunter:

     1. Ausschlusskriterien

Ausgeschlossen werden Unternehmen, die bestimmte soziale, ökologische und governancebezogene Kriterien nicht erfüllen oder gegen internationale Normen und Standards verstoßen. Das können Unternehmen sein, die beispielsweise die Menschenrechte nicht einhalten, Waffen herstellen oder gegen Arbeitsnormen verstoßen. Mitunter werden auch spezifische Branchen ausgeschlossen.

     2. ESG-Integration

Hierbei fließen ESG-Kriterien und -Risiken quantitativ und qualitativ in die Auswahl der Finanzprodukte ein. Der Integrationsprozess konzentriert sich auf den möglichen (positiven oder negativen) Einfluss von ESG-Themen auf die Finanzdaten von Unternehmen, die sich wiederum auf die Investmententscheidung auswirken.

     3. Normbasiertes Screening

Fondsmanager überprüfen, inwieweit internationale Standards und Normen – u. a. der OECD, der Vereinten Nationen oder UNICEF – eingehalten werden.

     4. Best-in-Class

Unternehmen werden bei diesem Ansatz positiv bewertet, wenn sie in ihrer Branche zu den nachhaltigsten Unternehmen zählen. Dabei wird keine Branche ausgeschlossen, weshalb unter Umständen auch Konzerne aus der Atom- oder Rüstungsindustrie bei diesem Anlageansatz berücksichtigt werden und im Portfolio der Anlegerin oder des Anlegers auftauchen. Man hofft, dass dieser Ansatz alle Unternehmen in sämtlichen Branchen anspornt, im Bereich Nachhaltigkeit besser zu werden.

    5. Engagement und Stimmrechtsausübung

Fondsanbieter treten hierbei mit Unternehmen in Kontakt oder nutzen ihre Stimmrechte als Aktionäre, um die Unternehmenspolitik in Richtung Nachhaltigkeit zu beeinflussen.

Es gibt noch weitere Ansätze und welche Anlagestrategie private Investoren letztlich anwenden, ist eine individuelle Entscheidung. Das FNG hat für seinen Marktbericht 2022 ermittelt, dass die meisten Anlegerinnen und Anleger in Deutschland am häufigsten die Anlagestrategien ESG-Integration, Ausschlüsse und normbasiertes Screening nutzen. Die drei häufigsten Ausschlusskriterien waren 2021 Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Bestechung und Arbeitsrechtverletzungen.

Im Gegensatz zu den traditionellen Ansätzen, deren ESG-Einschätzung häufig überwiegend auf vergangenheitsbezogener Systematik beruht und oft nicht zwischen Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung unterscheidet, setzt LAIQON auf den SDG-Ansatz, der sich auf die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen bezieht. Das hat den Vorteil, dass die Zielsetzung im Einklang mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN steht, die ESG-Kriterien differenziert und positive Beiträge und Kontroversen klar abgewogen werden.

Nachhaltige Fonds und Indizes

Die Anzahl von Indizes und börsengehandelten Indexfonds (ETFs) ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Trotz der aktuellen globalen Sorgen rund um Inflation, Zinssteigerungen und dem Krieg Russlands gegen die Ukraine halten sich nachhaltige Fonds weiterhin besser als der breite Markt, wie das Analyseunternehmen Morningstar in seinem Rückblick auf das dritte Quartal 2022 vermerkt. Schätzungsweise 148 neue nachhaltige Fonds kamen zwischen Juli und September weltweit auf den Markt.

Einen guten Anhaltspunkt für Anlegerinnen und Anleger bei der Auswahl von passenden Produkten bieten Nachhaltigkeitssiegel. So trägt der Green Dividend World Investmentfonds von LAIQON (interne oder externeVerlinkung) u. a. das FNG-Siegel. Der Fonds strebt als erster im Portfolio von LAIQON nach Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung nachhaltige Investitionen an. Er beinhaltet ausgewählte, dividendenstarke Unternehmen aus der ganzen Welt.

Dabei werden vor allem die Unternehmen ausgewählt, die eines oder mehrere ökologische Ziele – abgeleitet aus den 17 UN SNGs – erreichen wollen. Hierfür wurden zusammen mit dem WWF Deutschland, Partner der Lloyd Fonds AG für nachhaltigere Investments, 30 Unterziele der SDGs mit Umweltbezug identifiziert, unter anderem Wasser- und Abwasserwirtschaft, Klima und Energie oder die verantwortungsvolle Nutzung von Ressourcen.

In der Bewertung des zukünftigen SDG-Beitrags eines Unternehmens kommen alle seine Dienstleistungen, Produkte, Produktionsverfahren und Lieferketten auf den Prüfstand. Bei der Auswahl der Unternehmen spielen zusätzlich Marktpositionierung, Gewinn- und Cashflow-Potential, Bilanzpotential, Bewertung und Managementqualität eine Rolle

Nachhaltig investieren in 5 Schritten

Damit Sie die richtige nachhaltige Geldanlage für Ihre Bedürfnisse zu finden, sollten Sie einige Punkte beachten.

     1. Sicherheit, Liquidität, Rentabilität: Welche Punkte sind Ihnen wichtig?

Wie lange können Sie Ihr Kapital anlegen? Müssen Sie zwischenzeitlich darüber verfügen können? Wie wichtig ist Ihnen Sicherheit, welches Risiko sind Sie bereit einzugehen? Sprechen Sie diese Fragen am besten in einem Beratungsgespräch an.

     2. Investmentstrategie wählen

Besprechen Sie mit Ihrem Anlageberater, welche Anlagestrategie die richtige für Sie ist.

     3. Asset Allocation

Überlegen Sie, auf welche Anlageklassen (z. B. Aktien, Immobilien etc.) Sie Ihr Kapital verteilen wollen.

    4. Wie definieren Sie Nachhaltigkeit?

Fragen Sie sich selbst: Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit? Welche Aspekte sind Ihnen besonders wichtig?

    5. Konkrete Produkte auswählen

Wählen Sie danach die Anlageprodukte aus, die Ihren eigenen Vorstellungen am nächsten kommen.

Spezialtipp: Verfolgen Sie Ihre nachhaltige Geldanlage

Die Schweizer Globalance Bank hat eine digitale Weltkarte entwickelt, die Globalance World, mithilfe derer sie Ihr Geld nachverfolgen können. Sehen Sie sich an, wie nachhaltig Ihre Wertpapiere sind und wie rentabel. Entdecken Sie, wie Klimabetrag, Anlageerfolg und Footprint Ihres Portfolios sind, suchen Sie nach Titeln oder vergleichen Sie Portfolios untereinander oder mit Indizes. Probieren Sie es aus – die Weltkarte finden Sie hier.

FAQ zu nachhaltigen Geldanlagen

Sie können Ihr Geld entweder als Einmalanlage in Aktien, ETFs oder andere Anlageprodukte investieren oder über Sparpläne regelmäßig in Fonds investieren. Auch in Bezug auf die Altersvorsorge oder Immobilien gibt es nachhaltige Alternativen.

Grüne Geldanlagen sind Anlagemöglichkeiten, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. Dabei spielen viele verschiedene Aspekte aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung eine Rolle.

Nachhaltig investieren bedeutet, an die Zukunft zu denken und nachfolgenden Generationen die Chance auf eine lebenswerte Welt zu geben.

Nein, Studien haben gezeigt, dass nachhaltige Anlageprodukte häufig sogar besser performen als konventionelle Pendants.

Definitiv nicht. Die nachhaltige Geldanlage ist nicht nur sinnvoll, es ist auch der Weg in die Zukunft. Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen wollen bis 2030 die 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung erreichen. Die ESG-Kriterien werden also immer relevanter werden.

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